Wie Bankräuber sich vor der Überwachung mit KI tarnen können

Wie Bankräuber sich vor der Überwachung mit KI tarnen können

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben in diesem Jahre herausgefunden, dass künstliche neuronale Netze (KNN) Objekte eher an ihren Texturen erkennen, das heißt an der Oberflächenbeschaffenheit dieser Objekte. Menschen eher an Formen der Objekte. Unseren Vorfahren musste nun mal nur ein schneller Blick ins Dunkle reichen, um den Tiger an seinen Umrissen zu erkennen. Wer den Tiger im Dunkeln nur an seinem gestreiften Fell erkennen konnte, wurde gefressen.

Dass KNN sich nicht an Gestalten orientieren, weist auch Wege, wie man sie austrickst: Vor kurzem haben Forscher an der Universität Leuven entdeckt, womit man künstliche neuronale Netze, die in der Überwachung eingesetzt werden, in die Irre führen kann: Eine Person wird von dem Überwachungsnetz nicht als Person erkannt, wenn sie am Körper ein bestimmtes farbiges Bild trägt.

So kann man für die Erkennung von Bankräubern bald wieder Menschen statt KI-Überwachungskameras einsetzen. Wenn eine Person in die Bank kommt, die am Bauch ein farbiges Bild trägt, um das KI-Überwachungssystem zu überlisten, ist es ein Räuber. 🙂

Mit einem T-Shirt gegen Überwachung

Mit einem T-Shirt gegen Überwachung

Der beste Datenschutz heutzutage ist wohl, so viele Lügen über sich zu verbreiten, dass darin niemand die Wahrheit fischen kann. Deswegen müsste man jede Google-Suche mit einigen parallel dazu laufenden Tarnsuchen nach Unsinn begleiten. Ansonsten hat man den fleißigen Datensammlern schon durch das Stöbern im Netz ein lückenloses Persönlichkeitsprofil geliefert: Was man kauft, was man isst, was man liest, welche Krankheiten man hat, welche sexuellen Vorleiben und den ganzen Rest.

Auch wo und wie man sich bewegt, wird gern erfasst. Zum Beispiel bei der automatischen Kennzeichen-Erfassung, und das nicht nur in den USA, sondern auch in Bayern.

Zumindest, was Überwachung angeht, kann man aber künstliche neuronale Netze (KNN) in der Bilderkennung austricksen. Wohl orientieren sich KNN bei ihrer Erkennung an den Texturen, also an der Oberflächenbeschaffenheit der Objekte. Nicht an ihren Formen wie wir Menschen.

Gern verwechseln KNN dreidimensionale mit zweidimensionalen Bildern. So wurde eine berühmte chinesische Managerin auf einem öffentlichen Bildschirm angeprangert, weil sie verbotenerweise über eine Straße gegangen sei. Dabei hat sie die Kamera auf dem Plakat eines vorbeifahrenden Busses gefilmt. Die Statue des berühmten tschechischen Marathonläufers und Olympiasiegers Emil Zatopek könnte ein Bilderkennungsprogreamm somit folgend beschreiben: „Ein Mann, der auf der Straße läuft.“

Auf der diesjährigen DefCon (August 2019), der Cybersicherheitskonferenz in Las Vegas, hat die Designerin und Hackerin Kate Rose ihre „Adversial Fashion Line“ vorgestellt: Mit verschiedenen Autokennzeichen bedruckte Kleidungsstücke.

Selbstverständlich würden gut trainierte neuronale Netze auf diesen Trick nicht hereinfallen. Um die gängigen Modelle für die Autokennzeichen-Überwachung zu verwirren, dürften sie aber reichen. Momentan. Die künstlichen neuronalen Netze werden immer besser. Bald wird es sehr schwierig sein, sie auszutricksen. Deswegen sollten wir schauen, dass KNN nicht dazu missbraucht werden, uns zu überwachen.

Foto: Lianhao Qu bei Unsplash